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Wirtschaftsregion Lausitz ZukunftsdialogGemeinsam Perspektiven entwickeln.

Zukunftswerkstatt Lausitz veröffentlicht Studien

Potenziale der Lausitz: Zukunftswerkstatt Lausitz veröffentlicht Studien zu Flächen- und Standortpotenzialen sowie zum intermodalen Verkehr in der Lausitz

Um Perspektiven und Ideen für die Lausitz entwickeln zu können, müssen zuerst deren Potenziale ermittelt werden. Mit Wissenschaftlern und Experten hat die Zukunftswerkstatt Lausitz länderübergreifend untersucht, über welche Stärken die Region schon verfügt und welche Handlungsempfehlungen sich daraus für die Strukturentwicklung ableiten lassen.

Die Potenzialuntersuchung beruht auf der Studie „Standortpotentiale der Lausitz“ (Autorenkollektiv der BTU Cottbus/Senftenberg), der Studie „Flächenpotentiale der Lausitz“ (Petersen, Hardraht, Pruggmayer) und der
„Potenzialstudie für den intermodalen Güterverkehr“ (Wagener & Herbst – Management Consultant).

Die Studienergebnisse sind Basis für vertiefende Untersuchungen, sie fließen in den Leitbildprozess bzw. die Handlungsempfehlungen der Zukunftswerkstatt für strukturpolitischen Entscheidungen ein.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studien komprimiert:
Ankerstädte sind wichtig für die Regionalentwicklung Ankerstädte in der Lausitz müssen gestärkt werden. Sie erzeugen durch ihre standortgebündelte Infrastruktur sowie die Konzentration von Bevölkerung und Wirtschaft positive Skaleneffekte und üben somit „Auffangwirkungen“ auf angrenzende eher dünn besiedelte Räume aus. Ankerstädte sind als zentrale Wohn-, Handels- und Kommunikationsstandorte – auch für ihr Umland – ein grundlegendes Element für lebendige Lebensstandorte und stärken den Gesamtraum.

Hinsichtlich Bevölkerung, Wirtschaft, Versorgung und Vernetzung können Cottbus, Bautzen, Görlitz, Spremberg/ Hoyerswerda, Lübben/Lübbenau und Finsterwalde/Lauchhammer/Senftenberg diese Funktion ausüben. Dazu
kommen die Übergangsbereiche mit ihrer Verflechtung und Orientierung nach Berlin bzw. Dresden (Königs Wusterhausen bzw. Radeberg/Kamenz/Bischofswerda) sowie Orte, die sich eher als Brückenköpfe in Nachbarregionen
profilieren können (Herzberg, Guben und Zittau).

Regionale Infrastruktur muss angebotsorientiert entwickelt werden
Damit die vielschichtigen Beziehungen der Lausitz zu Nachbarregionen ihre Potenziale entfalten können, dürfen die überregionalen Verkehrsachsen, die Anbindungen der Lausitz an benachbarte Metropolen und der regionale
Binnenverkehr nicht mehr nachfrageorientiert gesehen werden. Sie müssen angebotsorientiert entwickelt werden. Es darf nicht nur auf die Beseitigung von Engpässen, sondern es muss auf eine qualitativ hochwertige Erreichbarkeit und Anbindung abgezielt werden. Es gilt bei der Infrastrukturplanung überregional zu denken und Verkehrskorridore zu stärken bzw. wiederzubeleben.

Bundesländerübergreifende Verbindungen müssen auf ihre Machbarkeit geprüft und forciert werden, z.B. eine Linie Cottbus – Spremberg – Schwarze Pumpe – Hoyerswerda – Bautzen oder auch Direktanbindungen aus
Südbrandenburg zum ICE-Halt in Riesa. Die Arbeitsplatzzentren wie Cottbus und Bautzen als Städte mit den stärksten Einpendlerzahlen müssen besser infrastrukturell verbunden werden.

Das Know-how im Energiebereich muss genutzt werden
Um die vorhandenen Netzstrukturen zu nutzen, sollten Ideen zu großtechnischen Batterielösungen, Gaskraftwerken, Wasserstoffnutzung und Elektromobilität weiterentwickelt werden.

Produkte und Dienstleistungen in der Wertschöpfungskette der Braunkohleverstromung (Rohstofferkundung, Automatisierungstechnik, Dienstleistungen im Berg-/Tagebau, Kraftwerkstechnik, Energieerzeugung
Renaturierung von Bergbaufolgelandschaften) müssen aktiv international vermarktet werden, um vorhandenes Know-how zu stärken.

Vernetzung der Unternehmen Wirtschaft untereinander und mit der Forschung fördern
Die Lausitz hat Schwerpunkte wirtschaftlicher Aktivität neben der Wertschöpfungskette der Braunkohleverstromung: Chemie/Kunststoffe, Metall, Logistik, Maschinenbau und Fahrzeugzulieferindustrie, Metallverarbeitung,
Landwirtschaft und Ernährung sowie der Tourismus.

Erforderlich sind Unterstützungsleistungen zur besseren Vernetzung der Unternehmen untereinander sowie mit Forschungseinrichtungen (Universitäten der Region, außeruniversitäre Forschungsinstitutionen) und ein proaktiver
Forschungstransfer. Wichtig dabei ist, eine Bindung zur regionalen Wirtschaft herzustellen bzw. die Institutsansiedlungen mit passgenauen Industrieansiedlungen zu begleiten.

Neue Wachstumskerne entwickeln
Ein wichtiger Ansatzpunkt kann die Entwicklung neuer Wachstumskerne sein. Sie sollten sich aus dem Zusammenwirken wissenschaftlicher und regionaler Potentiale ergeben. In diesem Kontext spielen Institutsgründungen und das
WIR!-Förderprogramm [„Wandel durch Innovation in der Region“, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)] eine wesentliche Rolle.

Neue Wachstumskerne sind umso bedeutungsvoller, da große Industrieansiedlungen, die den größeren Teil der gefährdeten Arbeitsplätze in der Braunkohleförderung und -verstromung kompensieren könnten, wünschenswert, aber
schwierig zu realisieren sind.

Die Lausitz verfügt über eine Vielzahl von Gewerbeflächen
Die Lausitz verfügt über große Gewerbeflächen (> 100 ha) mit einer guten oder sehr guten Verkehrsanbindung. Sie korrespondieren im Wesentlichen mit den Ankerstädten: Schwarze Pumpe, Boxberg, Schwarzheide und Görlitz/Schöpstal/Kodersdorf. Daneben gibt es eine Vielzahl kleinerer Gewerbeflächen. Damit hat die Lausitz interessante und entwicklungsfähige Industriestandorte, die teilweise auch logistisch von übergeordnetem Interesse sind. Sie sind für eine Industrieansiedlung bevorzugt zu adressieren. In diesem Zusammenhang ist die geplante konzertierte Vermarktung durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Länder Brandenburg und Sachsen ist ein wichtiger Schritt.

Der intermodale Verkehr in der Lausitz hat Wachstumspotential
Die Lausitz liegt im Schnittpunkt mehrerer internationaler Verkehrskorridore: die Verbindung zwischen den deutschen Nord- und Ostseehäfen und Südosteuropa sowie die Verbindung zwischen den Nordseehäfen und Osteuropa/Baltikum. Es besteht ferner die Chance, dass die Lausitz eine Gateway/Portal-Funktion zwischen Westeuropa und China einnehmen könnte: Containerzüge aus China mit Ladungen für unterschiedliche Empfangsorte in Europa könnten in der Lausitz zusammengestellt werden. Derzeit hat die Lausitz drei Terminals für den Kombinierten Verkehrs (KV-
Terminals): Schwarzheide, Elsterwerda und Forst. Geplant sind Standorte in Kodersdorf, Königs Wusterhausen und Spremberg.

Mittelstand und Gründungsaktivitäten gezielt fördern
Die Lausitzer Klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) sind hinsichtlich der Branchenmischung heterogen. Der Mittelstand hat nicht nur den größten Anteil an den Arbeitsplätzen, er repräsentiert auch das größte wirtschaftliche Entwicklungspotential.

Die beiden wichtigsten Wachstumsbremsen des Mittelstandes in der Lausitz sind ein vergleichsweise schwaches Innovationssystem und der Fachkräftemangel. Das Innovationssystem kann vor allem durch eine intensivierte gemeinsame Projektentwicklung zwischen mittelständischen Firmen und den Hochschulen der Region gestärkt werden.

Kleine hochschulnahe und technologieaffine Gründerzentren, deren Attraktivität darauf beruht, dass die Gründer eng mit Lehrstühlen und Professuren an der jeweiligen Hochschule zusammenarbeiten und die multifunktional gestaltet werden (maker space), bieten eine Chance für die Lausitz. Eine Orientierung an den Gründerzentren der Metropolen ist nicht
hilfreich. Sie verfügen über ein sehr breites Angebot an hochspezialisierten Experten, über einen besseren Zugang zu Risikokapital und eine kulturelle Szene von Gleichgesinnten.

Für die Kreativwirtschaft, die vor allem auf einen schnellen Internetzugang angewiesen ist, können einige Orte der Lausitz mit einem spezifischen Flair (Nachnutzung alter Industriestandorte in Verbindung mit dem Naherholungswert
der Lausitz), ebenfalls interessant sein.

Dem Fachkräftemangel aktiv begegnen
Alle Maßnahmen der Strukturentwicklung in der Lausitz müssen die Herausforderung fehlender Arbeitskräfte berücksichtigen. Daher empfehlen sich für die Fachkräftesicherung in der Region Maßnahmen, die gezielt die Flexibilität
und den Handlungsspielraum der regionalen Unternehmen und Betriebe erhöhen:

  • Erhalt von beruflichen Ausbildungszentren in den Ankerstädten, trotz zu erwartender zukünftig geringerer Auslastung
  • ein Lausitzer Innovations- und Bildungscampus mit konzentrierten Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für Unternehmen
  • gemeinsamen regionale Strategie und Unterstützung bei der strategischen Personalgewinnung der KMU
  • Erhöhung der Erwerbsbeteiligung, Ausschöpfen von Potentialen aus der
    Arbeitslosigkeit und Aufstockung von Teilzeitkräften.

Zusammenfassungen der einzelnen Studien und ein Resümee, das alle Ergebnisse der Studien zusammenfasst, sind auf www.zwlausitz.de/presse veröffentlicht.

Hintergrund
Die Zukunftswerkstatt Lausitz:

  • Ein Projekt der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH
  • Für die ganze Lausitz in den Landkreisen Bautzen, Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Görlitz, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und der kreisfreien Stadt Cottbus
  • Schlüsselinstrument, für den bevorstehenden Strukturwandel in der Lausitz
  • Soll die unterschiedlichen Interessen und Ausgangslagen der Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Politik und Zivilgesellschaft zusammenführen und nachhaltige Strategien für den Strukturwandel in der Lausitz entwickeln

Das Projekt Zukunftswerkstatt Lausitz ist aus MItteln des Bundes, des Freistaates und des Landes Brandenburg im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe: "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" gefördert.

Quelle: Pressemitteilung der WR. Lausitz vom 08.07.2019

Ansprechpartner

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